Wenn nach der Erleichterung die Erschöpfung kommt
- jilltaugwalder

- 9. Juli
- 3 Min. Lesezeit
"Eigentlich müsste es mir doch jetzt besser gehen."
Diesen Satz höre ich immer wieder. Und vielleicht kennst du ihn auch.
Du hast eine anstrengende Zeit überstanden.
Eine Prüfung ist vorbei. Der Umzug ist geschafft. Die Kündigung ist ausgesprochen oder die Operation ist durch. Vielleicht hast du endlich eine Entscheidung getroffen oder ein Problem gelöst.
Der Druck lässt nach. Und trotzdem fühlst du dich erschöpft, leer oder traurig.
Vielleicht sogar schlechter als während der stressigen Phase.
Das wirkt auf den ersten Blick unlogisch. Ist es aber nicht.

Der wunderschöne See in dir
Auf seinem Grund liegen all die Gefühle, nach denen wir uns sehnen:
Freude - Leichtigkeit - Vertrauen - Kreativität - Geborgenheit - Lebensfreude
Diese Gefühle verschwinden nicht einfach. Sie sind immer da.
Doch während einer langen Phase voller Stress, Sorgen und Überlebenskampf zieht ein Sturm über den See.
Jede Angst.
Jeder Druck.
Jedes Problem, das gelöst werden muss.
Jede schlaflose Nacht.
All das wirbelt den Schlamm vom Grund auf.
Das Wasser wird trüb. Irgendwann kannst du den Seegrund nicht mehr sehen.
Und genau dann glauben wir oft “Meine Freude ist weg.”
Doch in Wahrheit ist sie nicht verschwunden.
Sie ist nur von trübem Wasser verdeckt.
Warum es sich nach dem Stress oft noch schlimmer anfühlt
Wenn der Stress endlich nachlässt, wird der See nicht sofort wieder klar.
Der Sturm ist zwar vorbei. Doch der Schlamm schwebt noch immer im Wasser.
Genau das kann sich anfühlen wie:
innere Unruhe
Erschöpfung
Leere
Traurigkeit
Hoffnungslosigkeit
das Gefühl, sich selbst verloren zu haben
Ich hatte die gesamte Liste und das wirklich nach jeder Disaster-Phase und ich dachte jedes Mal
“Jetzt stimmt aber wirklich etwas mit mir nicht.”
Dabei beginnt unser Nervensystem vielleicht gerade erst zu verarbeiten,
was es so lange unterdrückt hat.
Wenn wir diesen trüben See sehen, möchten wir ihn sofort wieder klar bekommen.
Wir suchen vielleicht verzweifelt nach Lösungen.
Wir analysieren.
Wir kämpfen.
Wir versuchen, uns glücklich zu fühlen.
Doch genau das ist, als würdest du immer wieder ins Wasser springen und den Schlamm erneut aufwirbeln.
Was wenn unser See einfach Zeit braucht?
Und ich verstehe wirklich wenn du jetzt da sitzt und denkst:
"ja witzig, ist ja nicht so, dass es verdammt unangenehm ist."
Ich persönlich möchte alles direkt. Am besten gestern schon.
Warten bis es besser wird, ist daher gar nicht meins.
Mir ist es daher leichter gefallen, mich um den Menschen zu kümmern, der am Ufer sitzt und wartet. Kein absprechen, wie es mir gerade geht. Kein auf Krampf positives Denken. Kein es muss mir jetzt fantastisch gehen.
Sondern liebevoll. Eine warme Dusche. Ein Spaziergang. Ein gutes Essen. Eine Umarmung. Eine Tasse Tee. Ein Gespräch mit einem Menschen, bei dem ich einfach sein darf.
Diese Dinge machen den See nicht sofort klar.
Aber sie zeigen deinem Nervensystem: “Du bist jetzt sicher.”
Die Freude ist nicht verschwunden
Vielleicht kannst du sie im Moment noch nicht spüren.
Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr existiert.
Der See ist nicht leer. Er ist nur noch trüb.
Und mit jedem Tag, an dem du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen, darf sich der Schlamm langsam wieder setzen.
Irgendwann wirst du feststellen: Die Freude war die ganze Zeit da.
Du konntest sie nur vorübergehend nicht sehen.
Fazit
Vielleicht musst du im Moment nicht lernen, wieder glücklich zu sein.
Vielleicht darfst du zuerst lernen, liebevoll bei dir zu bleiben, während sich dein See langsam wieder klärt. 🌿




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