Ruhe geniessen – nicht durch mehr, sondern durch weniger
- jilltaugwalder

- 21. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. März
Vielleicht wünschst du dir mehr Ruhe.
Weniger Lärm. Weniger Druck. Weniger Müssen.
Und gleichzeitig passiert oft genau das Gegenteil:
Sobald es still wird, wird es innen laut.
Gedanken beginnen zu kreisen. Ein unruhiges Gefühl taucht auf.
Und fast automatisch kommt der Impuls: Ich muss jetzt etwas tun.
Also greifst du zum Handy. Lenkst dich ab. Füllst die Stille – einfach, damit dieses Gefühl wieder verschwindet.
Was, wenn das Problem nicht ist, dass du keine Ruhe magst – sondern dass sich Ruhe für dich noch nicht sicher anfühlt?

Warum Ruhe sich oft nicht gut anfühlt
Vielleicht möchtest du einfach lernen, Ruhe zu geniessen.
Einfach sitzen, durchatmen, nichts tun – und dich dabei gut fühlen.
Dann klappt es nicht auf anhin und du bist frustriert.
Vielleicht geht es aber am Anfang gar nicht darum, die Ruhe sofort zu geniessen.
Sondern darum, sie kurz auszuhalten – ohne direkt wieder zu flüchten.
Vielleicht 30 Sekunden. Vielleicht eine Minute.
Und dann wieder zurück.
So lernt dein Körper langsam: Ich bin sicher, auch wenn nichts passiert.
Denn wenn dein Nervensystem in Alarmbereitschaft ist, fühlt sich Ruhe nicht wie Ruhe an – sondern wie Unsicherheit.
Da ist kein äusserer Druck mehr. Keine Aufgabe. Kein Reiz.
Und genau das kann sich ungewohnt leer anfühlen.
Gerade in einer Welt, in der du es gewohnt bist, ständig Input zu haben –
kurze Videos, schnelle Reize, immer etwas Neues.
Stille ist dann nicht automatisch angenehm.
Sondern erstmal… fremd.
Aber sollte sich Ruhe nicht sicher anfühlen?
Vielleicht hast du dich schon gefragt. Sie ist doch eigentlich etwas Gutes… etwas Sicheres.
Und genau hier liegt ein wichtiger Punkt:
Dein System bewertet Sicherheit nicht danach, was objektiv sicher ist – sondern danach, was es kennt.
Wenn dein Alltag lange geprägt war von:
beschäftigt sein
reagieren
denken, planen, funktionieren
...dann wird genau das dein Normalzustand.
Und alles, was davon abweicht, fühlt sich erstmal ungewohnt an.
Auch Ruhe.
Nicht, weil sie gefährlich ist – sondern weil sie nicht vertraut ist.
Wenn es still wird, fehlt plötzlich etwas.
Kein Input. Keine Aufgabe. Nichts, woran du dich festhalten kannst.
Und genau dann kann dein System reagieren mit:
Sollte ich nicht etwas tun? Übersehe ich gerade etwas? Ist das wirklich okay so?
Nicht bewusst. Sondern ganz automatisch.
Und vielleicht hilft dir dieser Gedanke:
Dein Körper arbeitet immer für dich. Er versucht, dich sicher zu halten.
Nur basiert seine Vorstellung von „sicher“ auf dem, was es gelernt hat – nicht auf dem, was wirklich gerade ist.
Deshalb geht es nicht darum,dich in die Ruhe zu zwingen.
Sondern deinem System langsam zu zeigen:
Auch das hier ist sicher.
✨ Tipp: Mach Ruhe vertraut, nicht perfekt
Du musst Ruhe nicht sofort geniessen.
Es reicht, wenn du beginnst, sie kennenzulernen.
In kleinen Momenten. Ohne Druck.
So kann aus etwas Fremdem langsam etwas Vertrautes werden.
Dieser „Ich muss jetzt etwas tun“ Moment
Dieser eine Moment ist entscheidend.
Nicht die Ruhe selbst ist das Schwierige – sondern dieser Impuls:
Steh auf! Mach etwas! Du kannst jetzt nicht einfach hier sitzen! Es gibt noch was zu tun!
Und vielleicht fühlt sich dieser Gedanke unglaublich überzeugend an.
Aber:
Er kommt nicht aus Klarheit. Er kommt aus Aktivierung
Es ist kein echtes Ich will.
Es ist ein Ich halte das gerade nicht aus.
Und nochmals, das ist total lieb gemeint, denn dein Körper möchte dich vor Unbekanntem schützen.
✨ Tipp: Bleib einen Moment länger, als du willst.
Nur ein bisschen.
Nicht, um dich zu zwingen – sondern um deinem Körper eine neue Erfahrung zu geben.
Wenn dein Nervensystem keine Ruhe kennt
Vielleicht spürst du dabei Unruhe in deinem Körper.
Deine Gedanken springen.
Du weisst nicht, wohin mit dir.
Es tut mir leid, ich muss es nochmals sagen: Dein Körper möchte dich vor Unbekanntem schützen
Dein Nervensystem hat gelernt, dass Bewegung Sicherheit bedeutet.
Und genau deshalb fühlt sich Stillstand erstmal falsch an.
✨ Tipp: Gib deinem Körper direkt ein Gefühl von Sicherheit
Manchmal braucht es keine grossen Methoden – sondern einfache, körperliche Signale:
Lege eine Hand auf deinen Bauch und die andere auf dein Herz.
Das signalisiert deinem Körper Sicherheit.
Spüre den Kontakt deiner Hände – und atme ruhig ein und etwas länger aus.
Sag innerlich oder laut (wenn du nicht gerade mit Büro sitzt)
Ich kann hier bleiben. Und nichts passiert. Ich bin sicher.
✨ Weitere kleine Impulse, die helfen können
Setz dich hin und lehne deinen Rücken bewusst an (Wand oder Stuhl)
Spüre deine Füsse fest am Boden
Wickel dich in eine Decke ein
Verlangsame bewusst eine Bewegung (z. B. beim Aufstehen oder Hinsetzen)
Schau dich im Raum um und benenne leise 3 Dinge, die du siehst
Nicht, um dich abzulenken –sondern um dich im Moment zu verankern.
Du kannst Ruhe nicht geniessen, weil du sie nicht wirklich erlebst
Ruhe bedeutet nicht nur, dass es still ist.
Ruhe bedeutet, dass es sich innen ruhig anfühlt.
Und wenn da ein konstantes Ziehen ist – ein innerer Druck, etwas tun zu müssen – dann wird Stille nicht zu Ruhe.
Sondern zu einem Raum, in dem genau das sichtbar wird.
Innere Ruhe entsteht durch Weglassen
Vielleicht hast du das Gefühl, du müsstest noch etwas tun, um endlich zur Ruhe zu kommen.
Aber was wenn sie genau andersherum entsteht?
1. Unnötige Aufgaben loslassen
Nicht alles, was sich dringend anfühlt, ist es auch.
Oft ist es ein innerer Druck, der dich antreibt.
✨ Tipp: Frage dich, was darf heute auch unvollständig bleiben?
Was kann verschoben werden auf später oder einen anderen Tag?
Und dann entscheide dich dafür, dir Zeit zu gönnen für die Ruhe, das ist erlaubt.
2. Gedanken nicht weiterführen
Gedanken kommen.
Aber du musst nicht jeden weiterdenken.
Vor allem nicht die, die dich in Sorgen ziehen.
✨ Tipp: Frage dich, habe ich gerade ein Problem – oder denke ich über eines nach?
Wenn du bereits gehandelt hast, darf Vertrauen beginnen.
3. Nicht jede Leere sofort füllen
Stille fühlt sich oft nur deshalb unangenehm an, weil du sie sofort wieder füllst.
Mit Ablenkung. Mit Input. Mit Bewegung.
✨ Tipp: Lass bewusst kleine Lücken entstehen – ohne sie sofort zu schliessen.
Fazit
Wenn es ruhig wird und dein Inneres laut wird, heisst das nicht, dass du es nicht kannst.
Es ist eine Chance deinem Nervensystem zu zeigen, dass auch dieser Zustand sicher ist.
Vielleicht versuchst du einen Moment länger zu bleiben – obwohl alles in dir gehen will.
Und vielleicht merkst du dann, dass du nichts tun musst, um sicher zu sein.
Stell dir mal vor, wie frei du dich fühlst, wenn du diese Ruhe nicht mehr fürchtest –
Wie frei du bist, wenn du sie sogar geniesst und suchst.
Wenn du dich in der Stille sicher fühlst. Gehalten. Ganz bei dir.
Und mit jedem Moment, in dem du ein kleines bisschen länger bleibst, kommst du genau diesem Gefühl näher.




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